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Welcome Magazin 2016

Welcome! 76 FREIE ZEIT V ier Jahre Schlaraffen- land im Schneckengar- ten und dann das Ende im Kochtopf. Ein Finale ohne Schrecken freilich. „Bevor sie merken, dass sie sterben, sind sie tot.“ Und das hat seine Gründe. Sie haben es gut gehabt bei Schnecken- mutter Rita Goller in Rietheim, die Helix pomatia, wie sie der Biologe kennt, die Biosphären-Austern, wie sie der Volksmund schon nennt, oder ganz schlicht: die Weinberg- schnecken, die sich jetzt auf dem Weg zu den Gourmets in den Re- staurants des Biosphärengebiets befinden, darunter, wenn auch sehr selten zwar, womöglich ein rechts- gedrehter Schneckenkönig. Rita Goller verdankt das kleine Schneckenparadies auf der Schwä- bischen Alb ihrem Ehemann Wal- ter sowie einer 250 Jahre währen- den Tradition aus dem Lautertal. Dort wurden Schnecken einst im großen Stil gezüchtet und Jahr für Jahr bis zu acht Millionen Exempla- re vornehmlich an Klöster und auf Märkten bis nach Wien verkauft. Waggonweise und donauabwärts auf den Ulmer Schachteln, jenen Einwegbooten, transportiert. Ein gewinnbringendes Gewerbe war’s, das bis 1912 betrieben wurde. Rita Gollers Ur-Ur-Opa vermarktete noch bis zu 250.000 Exemplare, ein Vielfaches von dem, was die Gollers in ihrem 3.000 Quadratmeter gro- ßen Rietheimer Refugium ernten: gerade mal 10.000 Stück pro Saison. Seit 15 Jahren hegen und pflegen sie ihren Schneckengarten in Rietheim, nachdem eine Studie der FH Nürtin- gen-Geislingen den Bedarf von jähr- lich 8.000 Weinbergschnecken in der Region festgestellt hatte. In Wei- ler, dem kleinen Flecken im Großen Lautertal, woher Rita Goller stammt, war auch die Schneckenzucht einst zu Hause. Als frischgebackener Alb- Guide inizierte sie dort zunächst einen historischen Schaugarten im Kleinformat. SCHNECKENGARTEN Das von der Stadt Hayingen und der Nürtinger FH eingerichtete und vom Land geförderte Gärtlein erinnert seitdem noch an eine andere Tradi- tion: Bis in die 50er-Jahre unterhielt dort nahezu jeder katholische Haus- halt einen Schneckengarten für den Eigenbedarf. Evangelisch waren die Schnecken allerdings nie, behauptet Walter Goller, der jenseits der eins- tigen Religionsgrenze aufgewachsen ist. Was ihn nicht daran hindert, sei- Sie fressen sich durchs Leben, um den Sekundentod zu sterben. Sie lieben sich, wenn’s darauf ankommt, den ganzen Tag lang und wissen nicht einmal, wer Männchen und wer Weibchen ist. AUSTERN VON DER ALB AUSTERN VON DER ALB Foto: Goller

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